Reviews


DON PASQUALE
Thuringer Allgemeine

Ursula Mielke, February 2 , 2009

Operation Wahl-Furie Weimar

Premiere für Don Pasquale als verstörende zeitgenössische Opera seria


Ist es tatsächlich möglich, dass Gaetano Donizettis „Don Pasquale“ derart betroffen macht, wie bei der Premiere im Deutschen Nationaltheater Weimar? Ist der Wandel einer Commedia dell'arte von anno dazumal zu einer zeitgenössischen Opera seria nur musiktheatralische Halluzination?

Bereits in der Pause raunten einige Besucher: „Ich habe richtig Mitleid mit dem armen, alten Mann und weiß nicht, ob ich lachen oder weinen soll.“ Alles paletti und doch bittersüß. Denn Regisseur Roy Rallo erzählt eine Parabel über das Altsein. Eine Holzwand trennt die Bereiche Zuschauen und Er-Leben existenzieller Qualen. Für das Schaffen einer wirklichkeitsnahen Szenerie lud Statisterie-Leiter Gunnar König ein beredt schweigendes Ensemble aus DNT-Getreuen mehrerer Jahrzehnte ein. Genial der Regieblick darauf: In einem alten Film pfeift Ilse Werner durch getanzte Erinnerungen. Trotz Psychopharmaka und lieblicher Krankenpflegerin kann man dem alten Pasquale nichts vormachen. Ernestos Liebesklagen glaubt er nicht, schiebt den aus dem Unterbau der Lebensbühne Entsprungenen auf dem Rollator ins Nichts ab. Wer sich aus enttäuschter Liebe in Suizid flüchtet, so erzählt Roy Rallo, sei kein Held. Rallo prangert Jugendwahn, indem er Norina mit Dolly-Buster-Vorbau entpersonalisiert, indem er Ernesto und Norina während ihres kitschigenTreue-Schwur-Duetts in einen Bilderrahmen kittet und sich zitternd wie Parkinsonkranke nähern lässt. Don Pasquale gönnt er ein emotionales Aufflackern, das sich rasch im Dunst einer ? vielleicht ? letzten Zigarette verflüchtigt. Was Roy Rallo inszeniert, grenzt an sozialkritische Gehirnwäsche. Weggeschlossen von der Lebensbühne lauern in der traurigsten aller Lebensphasen nur noch Erinnerung, Krankheit, Verfall. Und wer da meint, Essen sei die Erotik des Alters, sehe sich einmal in hiesigen Verwahranstalten um. Die Hoffnung stirbt nicht zuletzt. Bitter!



 
DON PASQUALE, Klassik.com
Toni Hildebrandt, June 21, 2009

Don Pasquale als Osterhase

Man möchte es kaum glauben, aber Gaëtano Donizettis 'Don Pasquale' (1843) ist topaktuell. Wie nie zuvor wird unsere medial präsente Promigesellschaft von alternden Junggesellen dominiert, die – im Guten wie im Schlechten – nicht altern wollen und wohl auch nicht dazu in der Lage wären. Ob Mick Jagger, Silvio Berlusconi oder Hugh Hefner – der greise Playboy à la Don Pasquale ist ein Phänomen des 21. Jahrhunderts. Er kann nicht akzeptieren zu altern, sucht im Spiegel der Jugend nach den eigenen glorreichen Zeiten und avanciert zu dem von Peter Sloterdijk kürzlich beschriebenem Überathleten. Wenn nach Nietzsche Rotwein die Vanitas junger Männer, so sind Frauen wie Norina der Jungbrunnen der alten Hasen. Joschka Fischer, Sky Dumont und der italienische Ministerpräsident können davon einige Lieder singen – und Donizetti hat sie bereits im 19. Jahrhundert mit Witz und Ironie vertont. In Weimar hat nun Roy Rallo in seinem wunderbaren 'Don Pasquale' die Geschichte mit dem Hasen wortwörtlich genommen und noch ganz andere innovative Ideen in die Oper eingebaut. Von den vielen überzeugenden Inszenierungen, die 2008/09 am Deutschen Nationaltheater entstanden, war der 'Don Pasquale' vielleicht die schönste und in sich geschlossenste Regieleistung. Am gestrigen Abend kam es zur vorerst letzten Aufführung.

Getragen wurde Rallos großartige Inszenierung von dem hervorragend besetzten Weimarer Ensemble.

...Roy Rallo hatte hier und auch an anderer Stelle alles richtig gemacht. Im Gesamtentwurf seiner Regieführung wurde nie auf plakative Effekte oder oberflächige Slapstick gesetzt. In seiner humorvollen, innovativen und durchweg stringenten Erarbeitung wird man den Weimarer „Don Pasquale“ als nahezu perfekte Inszenierung in Erinnerung behalten.



 
DON PASQUALE
Ostthüringer Zeitung

Angelika Bohn, February 2, 2009

Opernspaß im Altenheim
Roy Rallo inszeniert in Weimar Donizettis "Don Pasquale"


Hut ab! "Don Pasquale" lebt im Altenheim und das Publikum ist begeistert.

Nicht nur von Belcanto, schönem Chorgesang und orchestraler Präzision. Die sind in Weimar gewissermaßen Standard und werden meist mit Bravorufen und Anerkennungspfiffen gefeiert. Am Samstag aber beklatschten die Premierengäste in schöner Eintracht auch die Leistung des Regieteams. Gaetano Donizettis "Don Pasquale" am Deutschen Nationaltheater Weimar ist dank exzellenter Leistung von Solisten, Chor und Staatskapelle unter musikalischer Leitung von Martin Hoff Balsam für die Ohren. Er ist aber auch eine sehenswerte und jedermann zu empfehlende Lektion Lebensweisheit. Und die aus der bereits zu ihrer Uraufführung 1843 betagten Geschichte - alter Mann macht sich mit junger Frau lächerlich - zu extrahieren, ist Roy Rallo prächtig gelungen.

Der aus Kalifornien stammende Regisseur mit internationalen Meriten und langer Bühnenerfahrung an der Deutschen Oper Berlin versetzt die Opera Buffa des Italieners an einen Ort, an dem nach allgemeiner Überzeugung Schluss mit lustig ist. Don Pasquale, 70, nur nach eigener Überzeugung noch gut beieinander, lebt im Altenheim. Marsha Ginsberg (Bühne) skizziert den Schauplatz als großen Saal mit Flügeltüren. Das 60er-Jahre-Mobiliar macht einen ebenso gebrechlichen Eindruck wie die Heimbewohner. Wohin man schaut, verblichene Farben, verschlissene Stoffe. Doch, oh Wunder, in diesem Ambiente kann jeder die Sehnsucht des von Greisinnen umgebenen alten Pasquale nach einer jungen Frau nachfühlen. Dieser Mann, dessen Lebenserinnerungen in ein Zigarrenkästchen passen, das er stets an seine Brust drückt, ist kein lüsterner Alter. Nicht zuletzt schreckt es ihn besonders ab, als seine "Angebete" sich später in ein Lustobjekt verwandelt.

Wenn Damon Nestor Ploumis (Don Pasquale) zum Abschlussapplaus auf die Bühne springt, findet eine Art Entfesselung statt. Zweieinhalb Stunden hat dieser großartige Sänger hundert Prozent überzeugend einen alten Mann gespielt: schwerfällig, arthritisch, langsam, ab und an desorientiert und überfordert und am Ende gekränkt von einer Welt, deren Tempo und Begierden schon lange nicht mehr die Seinen sind.Eine besondere Authentizität gewinnt diese Inszenierung durch ihre erfahrenen Altenheimbewohner. Es sind Frauen und Männer, die im Weimarer Seebachstift leben, und ja gewissermaßen, indem sie auf die Bühne gehen, die triste Welt der Alten in Frage stellen, die in diesem "Don Pasquale" gezeigt wird.



 
ELEKTRA
Los Angeles Times

Mark Swed, June 12, 2001

This chilling, haunted Elektra could be the girl-next-door
MARK SWED

Long Beach Opera, you might say, has done it again. It has invited back director Roy Rallo and set designer Marsha Ginsberg, who were responsible for the company’s gritty, great, art-world-relevant production of Bluebeard’s Castle. This time the team seems to have turned to antique television sitcom for its inspiration, as if there were some hidden secrets in those tidy closets on the “Father Knows Best” set. Usually the opera is presented as almost a celebration of neuroses, and we watch with satisfaction as voyeurs. It is almost fun to see the horror of it all, because we know it could not happen to us. Rallo, however, makes the horror real.



 
ELEKTRA
Opera News

David Gregson, September 2001

Long Beach Opera’s recent production of Strauss’ masterpiece must be added to a lengthening list of astounding successes. The vast stage of the Carpenter Center, shaped like a Cinemascope movie screen, was the perfect venue for director Roy Rallo’s treatment of Elektra as Technicolor melodrama, like Douglas Sirk’s Written on the Wind and Imitation of Life.


 
ELEKTRA
The Orange County Register

John Farrell, June 12, 2001

Modernized opera ELEKRA-fying! Updated Elektra an affair to remember.

There have been many memorable Long Beach Opera productions over the years, but the memorable does not always mean the successful. Sometimes the ludicrous of the simply fantastic makes an impression more than the simple. In its new production of Elektra, a different look paid huge dividends. This is one to remember for the best of reasons.



 
ELEKTRA
L.A. Weekly

Alan Rich, July 5, 2001

For its two-hour duration, the production screamed forth the notion that opera can‘t get any better. And for those two hours, at least, it might have been right.


 
BLUEBEARD'S CASTLE
Los Angeles Times Top 10 List

Mark Swed, December 1999

This year with Bartok’s Bluebeard’s Castle, Long Beach Opera has managed to come up with something important and unique, in an astonishingly hip, interesting, and original production with sets and video that might have walked out of this year’s Venice Biennale. If only the art world knew about this. Or for that matter, the opera world.


 
BLUEBEARD'S CASTLE
The Orange County Register

Peter LeFevre, June 16, 1999

New Blueprint depicts hidden spaces in 'Bluebeard’s Castle'

Rallo uses the stage with an artist’s temperament, creating a magic show, a visually striking, constantly engaging series of magnetic tableaux” – Peter Lefevre



 
BLUEBEARD'S CASTLE
Opera News

Robert Prag, October 1999

This rotted, decaying kingdom was the castle hidden in Bluebeard’s soul. Marsha Ginsberg designed the masterful, evocative set. Roy Rallo worked wonders with the staging, including a twisted, fatal conclusion.


 
LA FINTA GIARDINIERA
Opera

Allan Ullrich, June 2002

Bawdy, beguiling success

While the local champions of morals sputtered and whinged in the press, the San Francisco Opera scored a bawdily beguiling success with its showcase season production of Mozart’s adolescent dramma giocoso, la finta giardiniera in the modest Cowell Theater. The new general director, Pamela Rosenberg, capitalized on the intimate space by indulging the producer Roy Rallo’s intriguing interpretation. Not for Rallo the standard, manicured 18th century garden. What counted in Rallo’s outrageously amusing production were the insights he imparted to these seven characters. Amid all the licentious detours, Rallo found the moments of emotional maturity in the score.



 
LA FINTA GIARDINIERA
San Francisco Chronicle

Joshua Kosman, April 23, 2002

Mozart Opera plays like cheap burlesque

The San Francisco Opera Center's annual Showcase Series is surely intended to showcase the vocal talents of the program's young singers, rather than their breasts, thighs and buttocks. Unfortunately, someone neglected to make this clear to stage director Roy Rallo …Because of traffic snarl-ups, I missed the first 10 minutes (RR: actually, it was more like 30 minutes) or so of Sunday's performance, and for all I know the opening tableau may have explicated some of the nonsense that followed…But with the proper respect and solicitude, the piece can be made to work on stage.



 
L’ISLE DE MERLIN
PlaybillArts

Matthew Westphal, June 7, 2007

U.S. Premiere of Gluck’s l’Isle de Merlin

Christopher Alden and Roy Rallo have directed a staging that is way outside the box ... incredibly odd and terribly wonderful.



 
L’ISLE DE MERLIN
Charlotte Observer

Steven Brown, June 7, 2007

Satirical opera still relevant 249 years later

Here's a lucky find: A long-lost opera that's worth keeping around.

This isn't always what you encounter when someone exhumes a dusty score from the archives. As often as not, one revival is plenty. But the Spoleto Festival USA is showing that "L'Ile de Merlin," or "Merlin's Island," still has life in its wry premise and catchy tunes -- even at 249 years old.

Two shipwrecked men wash up on an island. As they encounter locals, they make a startling discovery: The islanders behave the opposite of people in the rest of the world. Husbands are faithful to wives. Lawyers are honest. Philosophers are lighthearted. The amazed visitors' wisecracks still apply today. And today is where stage directors Christopher Alden and Roy Rallo have successfully put the story.



 
METHUSALEM PROJEKT
Ostthueringer Zeitung

Angelika Bohn, April 18, 2011

Alter schuetzt vor Trauemen nicht

Dass 2009 in Weimar Donizettis "Don Pasquale" die Zuschauer so bezauberte, war nicht zuletzt den Senioren zu danken, die in Roy Rallos Inszenierung die Bewohner des Altenheimes spielten, in dem der Regisseur die Oper verortet hatte. Damals entstand die Idee, mit alten Menschen ein Theaterprojekt in Weimar auf die Bühne zu stellen, in dem alte Menschen im Mittelpunkt stehen. Als ironische Referenz an den alten Pasquale wie an eine Generation, die ungern was wegwirft, nutzt das "Methusalem-Projekt" ganz praktisch das damalige Bühnenbild (wieder Marsha Ginsberg). Dem Kalifornier Rallo geht es nicht um Seniorentheater im üblichen Sinn. Im "Methusalem-Projekt" wird kein Stück gespielt, sondern der Abend entsteht als Quintessenz eines längeren Arbeitsprozesses. Das Publikum kann keine konkrete Erwartungshaltung aufbauen. Es muss sich überraschen lassen und seinen Kopf gebrauchen. Die erste Überraschung am Premierenabend ist, wie poetisch und dezent Wort und Spiel und Musik (musikalische Leitung und Sound-Design: Alan Bern) ineinander greifen. Wie würdevoll und in sich selbst ruhend die Darsteller oder besser Mitwirkenden ihre Rollen oder sich selbst spielen. Da ist nichts geschwätzig, nichts peinlich, nichts oberflächlich.



 
METHUSALEM PROJEKT
Thueringer Landeszeitung

Wolfgang Hirsch, April 18, 2011

Katzen der Errinerung

Die Aufführung lebt, ganz vital, von der harmonischen Atmosphäre wie von der Authentizität und Würde der Figuren, in denen die Darsteller sich selbst geben. Das besitzt poetischen Zauber, ohne sentimentalisch zu sein, ist tiefgründig lehrreich auch ohne pädagogischen Vorschlaghammer. Den langen, liebevollen Beifall des Publikums haben sie wirklich verdient.



 
ARIADNE auf NAXOS
Sud Ouest

Catherine Darfay, February 24, 2011

Glorieuse Ariane

Peu importe que Roy Rallo ait coisi de situer l'ouvre dans une galerie d'art avec ce qu'il fait de brouillonne arrogance chez les performers. L'essentiel est ch qu'il en fait, comment il va, dans l'opera a proprement parler, audela du melange des genres prescrit par le prologue, comment, sans cesser de servir de la musique, il sait aussi raconter le defaite des comediens, pardon, des performers a la joie forcee dans leurs absurdes deguisements, comment, dans un etreignant final qui s'ouvre sur la nuit du dehors, il dit ce qu'Ariane encore connaitra de solitude, meme dans les bras de Bacchus.



 
ARIADNE auf NAXOS
Opera

Yehuda Shapiro, May 2011

With it's eclecticism and tantalizing interplay of sincerity, irony and artifice, Ariadne auf Naxos presents a ready-made case for postmodern treatment. In his new production for Opera National de Bordeaux, Roy Rallo took the Minotaur by the horns by evoking the present day experimental theater scene.